KAPITEL 45: ETAPPE III – Timms Tiefpunkt
Song Köl - Jalal Abad

Timm bekommt starke Schmerzen im rechten Unterbauch. Ist es der Blinddarm?

Timm bekommt starke Schmerzen im rechten Unterbauch. Ist es der Blinddarm?

Bauchschmerzen

Timm: Schon am Abend fangen die Schmerzen an. Eigentlich kein Grund zur Beunruhigung, doch wenn man sich mal wieder abseits der Zivilisation befindet und auch die Infrastruktur aus Schotterpisten besteht, kommt man etwas ins Schwitzen wenn der Körper nachgibt. Könnte es evtl. der Blinddarm sein oder einfach nur Blähungen? Rechts unten ist der Bauch prall und schmerzt. Nach einer eher schlaflosen Nacht machen wir uns auf den Weg. Es bleibt einem nichts Anderes übrig. Unsere Vorräte sind fast aufgebraucht und Hilfe kommt hierher bestimmt nicht. Die Landschaft ist wunderschön, aber die Straße scheint nur auf ein Opfer wie mich gewartet zu haben. Wie bei einem Belastungstest für Fahrräder werden wir stundenlang durchgeschüttelt. Ich hab das Gefühl mein Darm verknotet sich zu einem großen verdrehten Kneul. Es gibt kein Entkommen, entweder Durchschütteln oder im Schotter links und rechts der Straße versinken. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt und mein Heimweh wächst. Zum ersten Mal auf der Reise wünsche ich mir zu Hause zu sein, auf der Couch zu liegen, Salzstangen zu knabbern und Cola zu trinken, während man 24/7 TV schaut. Schliesslich gehen uns auch noch die Batterien für das GPS aus, weil das Ladegerät versagt. Ironie des Schicksals. Hätten wir mal die Hauptstraße genommen. Aber nein, wir wollten ja umbedingt durch das kirgisische Hinterland.



Asphalt, nijet!

Asphalt, nijet!


Gräber am Wegesrand.

Gräber am Wegesrand.


Geschüttelt nicht gerührt. Auch Lorena ist fertig mit den Nerven.

Geschüttelt nicht gerührt. Auch Lorena ist fertig mit den Nerven.

Abkürzung

Plötzlich eine ebene Strasse! Und sogar Asphaltiert! Auch in Anbetracht des Meeres aus Schlaglöchern ein kirgisicher Radtraum! Kaum haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Tacho seit Tagen endlich mal wieder eine selten gewordene Geschwindigkeit über 10 km/h anzeigt, biegt die Strasse auch schon wieder in die Berge ab! Müde von den ewigen Bergen blicken wir auf die Karte: Die zeigt einen gestrichelten Weg entlang des Flusses an. Da größere Flüsse selten steil Berg auf fließen, entscheiden wir uns, es zu probieren. Doch schon nach wenigen Minuten passieren wir ein kleines Dorf, wo uns ein Mann Arme kreuzend in den Weg springt! Nach einer verwirrenden Hand und Fuss Konversation, in der es darum geht, dass die Strasse für Autos unpassierbar sei, für Pferde und Fahrräder aber sehrwohl, sagt er schliesslich resignierend: “Moshna” – “Man kann!” Na also. Kopfschüttelnd schaut er uns hinterher, als wir unseren Weg fortsetzen. Und auch wir wissen nicht, ob das wirklich die richtige Entscheidung war – doch unser Wille hat gesiegt!



Auf der Suche nach dem Weg.

Auf der Suche nach dem Weg.


Irgendwo da hinten sollte es eine Straße direkt nach Jalal-Abad geben. Doch ohne Navi und wegen Timms Bauch ändern wir kurzfristig unsere Route und biegen ab in Richtung Kazarman, wo wir hoffentlich einen Arzt finden.

Irgendwo da hinten sollte es eine Straße direkt nach Jalal-Abad geben. Doch ohne Navi und wegen Timms Bauch ändern wir kurzfristig unsere Route und biegen ab in Richtung Kazarman, wo wir hoffentlich einen Arzt finden.


Leider liegt zwischen uns und Kazarman noch ein Pass von 2900 Metern. Wir beschliessen uns mitnehmen zu lassen. Doch auch hier verlässt uns das Glück. Nach nicht mal 7 Km beendet der Truck seine Fahrt. Kein Problem denken wir und warten auf den Nächsten. Doch auch der bringt uns gerade einmal 7 Km weiter.

Leider liegt zwischen uns und Kazarman noch ein Pass von 2900 Metern. Wir beschliessen uns mitnehmen zu lassen. Doch auch hier verlässt uns das Glück. Nach nicht mal 7 Km beendet der Truck seine Fahrt. Kein Problem denken wir und warten auf den Nächsten. Doch auch der bringt uns gerade einmal 7 Km weiter.


So freut sich ein Timm, wenn er 7 Kilometer weniger fahren muss.

So freut sich ein Timm, wenn er 7 Kilometer weniger fahren muss.


Bei dieser Familie, die komischerweise 8 in etwa gleichaltrige Söhne hat kaufen wir etwas trockenes Brot.

Bei dieser Familie, die komischerweise 8 in etwa gleichaltrige Söhne hat kaufen wir etwas trockenes Brot.

Berge

Timm fährt. Ich schiebe. Vor uns schlängelt sich die Strasse einmal wieder in endlos erscheinenden Serpentinen einen Berg hinauf, so dass wir beschliessen uns diese für den nächsten Tag aufzuheben. Mit einem unruhigen Gefühl im Bauch legen wir uns schlafen und hoffen, dass Timms Bauch sich in dieser Einsamkeit keine Dummheiten ausdenkt! Insgeheim überlege ich mir dennoch einen Notfallplan, falls doch. Noch nicht einmal Autos fahren hier vorbei – abgesehen von einer LKW-Kolonne, die sich völlig unerwartet inklusive Polizeischutz mitten in der Nacht die Steigung hinauf kämpft. Äußerst merkwürdig.
Auch am nächsten Morgen hat sich die Lage nicht geändert: Der Berg ist noch da und auch die Strasse hat sich über Nacht in keinen Tunnel verwandelt. Doch mit der hoffnungsvollen Erwartung, dass nach jedem Anstieg auch ein Abstieg folgen muss (hier im positiven Sinne!), arbeiten wir uns hinauf. Das Ergebnis ist ernüchternd: Berge wohin das Auge reicht! Die Strasse führt keineswegs nur bergab, sondern sucht sich in einem Auf- und Ab einen Weg durch das Hügellabyrinth. Doch ganz nach den Regeln der Physik muss es irgendwann auch wieder Abwärts gehen, wenn man sich auf 3200 Metern und der Zielort auf 1500 Metern befindet. So ist nach einer Weile der letzte Berg besiegt. ASPHALT kommt in Sicht und wir rollen jubelnd die letzten 40 Kilometer nach Kazarman hinab.



Campingplatz vor dem Pass: Wir sind zu faul zu Spühlen. Die Kuh freut's.

Campingplatz vor dem Pass: Wir sind zu faul zu Spühlen. Die Kuh freut's.


Geschafft! Von Hieran geht es 40 Kilometer Bergab.

Geschafft! Von Hieran geht es 40 Kilometer Bergab.













Abfahrt nach Kazarman

Ich habe mich des Öfteren darüber gewundert, dass wir nach 200 Tagen auf der Straße nicht einen Unfall erlebt haben, obwohl jeder Zweite fährt, als hätte er sieben Leben. Leider ist dieser “Counter” nun auf “1” geklettert. Zum Glück haben wir den Unfall nicht mit ansehen müssen, dennoch waren wir mit die Ersten am Unfallort. Ein vollbeladener Kleinwagen war von der Straße abgekommen und hatte sich überschlagen. Zwei Männer waren bewusstlos. Eine Frau hatte eine große Wunde am Kopf. Die zwei Kinder hatten auf den ersten Blick keine Verletzungen, aber weinten unaufhörlich beim Anblick ihrer Mutter. Wir holten unseren Erste Hilfe-Koffer, doch mussten schnell feststellen, dass der Inhalt bei solchen Verletzungen lächerlich nutzlos ist. Auf einen Krankenwagen wartet man hier vergebens. Und so wurde kurzerhand ein Auto angehalten, alle verladen und ins örtliche Krankenhaus gebracht.
Erst als wir weiterfuhren, und das Passierte reflektieren konnten, war uns etwas mulmig zu Mute. Es ist kein schönes Gefühl und beunruhigend bei einem solchen Unfall so hilflos zu sein.



Im örtlichen Guesthouse treffen wir unter Anderen auch 2 der Franzosen wieder, die ebenfalls nervlich und körperlich am Ende waren und sich über die Hauptstraße mit nach Kazarman zum Auskurrieren haben mitnehmen lassen.

Im örtlichen Guesthouse treffen wir unter Anderen auch 2 der Franzosen wieder, die ebenfalls nervlich und körperlich am Ende waren und sich über die Hauptstraße mit nach Kazarman zum Auskurrieren haben mitnehmen lassen.

Krankenhaus

Timm: Wegen des Unfalls am Vortag wissen wir nun, dass Kazarman sogar ein Krankenhaus hat. Und obwohl es mir bereits etwas besser geht, wollten wir nicht darauf warten, dass dann doch eventuell der Blinddarm bricht, wenn wir wieder auf Tour sind. Der Besuch ist mehr Attraktion, als hilfreich:
Der einem Sowjetbunker ähnelnde Betonkomplex ist dunkel, dreckig und ziemlich alt. Wir müssen uns teilweise ducken, um nicht mit den Köpfen den renovierungsbedürftigen Putz von der Decke abzukratzen. An einem Tisch im Flur werden von drei Krankenschwestern Mullbinden zusammengelegt – ohne Handschuhe. Sterilität kennt man hier nicht, oder zumindest fehlt dafür das Geld.
Mit Hand und Fuss erkläre ich mein Problem – man kann sich vorstellen, wie lustig das aussieht, wenn man Magenprobleme pantomimisch darstellt – dann folge ich einer Krankenschwester durch die dunklen Flure zur Blutanalyse und zum Ultraschall. Wieder einmal bekomme ich den Touristenbonus und werde an den Wartenden vorbeigewunken. Während ich auf der Britsche liege und mein Bauch durchleuchtet wird, reden die Schwestern von “Dollar” und “Som”. In meinem Kopf schrillen die Alarmglocken. Der Touristen Bonus gilt scheinbar auch für die Rechnung. Ich überlege, wie ich das der Versicherung erklären soll und zücke unser Russischbuch, wo ich den Satz suche: “Können sie mir eine Quittung für meine Versicherung ausstellen?”, doch zuerst frage ich wieviel es kostet. Die Antwort lautet: “60 Som” (Umgerechnet einen Euro.) Erleichtert schaue ich zu Lorena, die in diesem Moment den gleichen “Glück gehabt”-Blick drauf hat wie ich. Doch bevor wir gehen, erkundigen wir uns noch nach der Familie vom gestrigen Unfall. Mit einem einfachem “Choroscho” (In Ordnung) vom Chefarzt müssen wir uns zufrieden geben. Zumindest hinsichtlich dessen verlassen wir etwas beruhigter den Bunker.



Kazarmans Krankenhaus ähnelt eher einem Bunker.

Kazarmans Krankenhaus ähnelt eher einem Bunker.


Timm folgt der Krankenschwester zum Doktor.

Timm folgt der Krankenschwester zum Doktor.


Die Flure sind dunkel und gerade mal Manns hoch.

Die Flure sind dunkel und gerade mal Manns hoch.


Doch das Personal ist freundlich. Und freut sich über ausländischen Besuch.

Doch das Personal ist freundlich. Und freut sich über ausländischen Besuch.


Timm wird einem Bluttest unterzogen: "Nicht weinen!"

Timm wird einem Bluttest unterzogen: "Nicht weinen!"


Der Doktor kann jedoch Nichts feststellen. Er gibt Timm den Rat möglichst schnell nach Jalal-Abad zu fahren, falls etwas mit dem Blinddarm ist.

Der Doktor kann jedoch Nichts feststellen. Er gibt Timm den Rat möglichst schnell nach Jalal-Abad zu fahren, falls etwas mit dem Blinddarm ist.


Vielleicht sollte sich Timm einfach mal an die handgemalten Hygienevorschriften halten.

Vielleicht sollte sich Timm einfach mal an die handgemalten Hygienevorschriften halten.

Jalal-Abad

Wir nehmen den Rat des Arztes ernst und beschließen den Pass nach Jalalabad auszulassen und per Anhalter zu fahren. Da trifft es sich eigentlich ganz gut, dass ein Schweitzer Pärchen dringend noch Mitfahrer sucht. Am Morgen erscheint dann ein alter Jeep, der uns, die Schweitzer und eine Menge Gepäck erstaunlicher Weise unterbringt. Die Fahrt gleicht einer Achterbahnfahrt ohne Anschnallmöglichkeit: Der Jeep kämpft sich schnaufend eine einspurige Pass-Strasse hinauf und hinunter und wir haben einen im wahrsten Sinne atemberaubenden Blick auf den steilen Abhang direkt zu Füßen der Reifen. Manchmal erliegt das Fahrzeug dem Gewicht seiner Ladung und gibt keuchend den Geist auf. Doch mit einem Griff in den Fußraum des Beifahrers startet der Fahrer routiniert die Zündung.
In Jalal-Abad angekommen, baut Timm die wegen der Fahrt in seine Einzelteile zerlegten Räder wieder zusammen, während ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft mache. Der hiesige CBT scheint erneut überteuert und die Unterkunft sieht nicht gerade einladend aus. Schließlich beziehen wir ein geräumiges Zimmer in einem kleinen Kirgisischen Hotel in der Innenstadt für gerade einmal 3 Euro die Nacht. Gegen Abend wird die Unterkunft jedoch zum Stundenhotel, was wir mittlerweile aber eher belustigend finden. Die Kakerlaken mit denen wir jedoch nicht nur für eine Stunde das Zimmer teilen müssen ekeln uns nach wie vor. Diese fliegen dann stündlich im hohen Bogen aus dem Fenster.
Die Stadt ist jung aber konservativ. Wir fühlen uns hier wohl und bleiben gleich 3 Tage zum Auskurieren und Kräfte sammeln für die kommenden Pässe in Richtung China.



Todesängste im alten Militärjeep.

Todesängste im alten Militärjeep.


Nichtmal 3 Euro zahlen wir für dieses bescheidene Zimmer. Der Nachteil: wir müssen es mit Kakerlaken teilen. Und auch die Türen sehen nicht gerade beruhigend aus.

Jalal-Abad. Nichtmal 3 Euro zahlen wir für dieses bescheidene Zimmer. Der Nachteil: wir müssen es mit Kakerlaken teilen. Und auch die Türen sehen nicht gerade sicher aus.

KAPITEL 44: ETAPPE II – Land ohne Zäune
ISSIKKÖL-SONGKÖL




And I think to myself, what a wonderful world!

Die Zeilen des Liedes spielen während unserer Fahrt durch Kirgisistan immer wieder in meinem Kopf ab. Und passender kann man die traumhafte Landschaft kaum beschreiben: Gigantische Berglandschaften, freilaufende Pferde, Kuh und Schafherden. Menschen, deren Gesichter von den harten Lebensbedienungen des Landes erzählen.



Vom See Issik-Köl auf 1600m geht es nun weiter in Richtung des Sees Song-Köl, welcher auf 3200 Metern Höhe liegt.

Vom See Issik-Köl auf 1600m geht es nun weiter in Richtung des Sees Song-Köl, welcher auf 3200 Metern Höhe liegt.






Ein kleiner Stausee

Ein kleiner Stausee


Und zu unserem Erstaunen treffen wir ein paar Bekannte aus Kasachstan wieder: Kamele.

Und zu unserem Erstaunen treffen wir ein paar Bekannte aus Kasachstan wieder: Kamele.





Eine französische Reisegruppe

Kirgisistan bietet zahlreiche Plätze, um ein Zelt aufzuschlagen. Doch natürlich sucht man immer nach dem Besten – ruhige Lage, vorzugsweise Wasser in der Nähe. So ist es nicht wunderlich, dass wir, als wir einem kleinen Fluss weg von der Hauptstrasse folgen, einige Zelte entdecken! Die Franzosen vom Issik-Köl!
Auf unserer Reise haben wir schon viele unterschiedliche und ungewöhnliche Radler getroffen. Doch 8 Franzosen, die seit 3 Jahren zusammen mit dem Rad durch die Welt ziehen und mit Musik und einer “Zirkusnummer” am liebsten Kinder glücklich machen, toppen alles. Spontan beschliessen wir einen Tag mit Ihnen zu verbringen und die Gruppe auf 10 wachsen zu lassen. Innerhalb kürzester Zeit fühlen wir uns sehr wohl. Die herzliche und offene Art der Gruppe inspiriert uns, und obwohl jeder Charakter unterschiedlich zu sein scheint ist die Harmonie ansteckend. Am Abend wird mit Lagerfeuer und Wok das Essen zubereitet, doch Lorena und ich kochen unsere eigene “Suppe”. Wir können uns nicht vorstellen, wie man 10 Leute verpflegt, wenn wir bei 2 Personen oft schon das Gefühl haben nicht genügend Essen in den kleinen “Magazin’s” (Einkaufsläden) zu finden. Nach und nach werden in der Dämmerung die Musikinstrumente ausgepackt. Von der Gitarre, über eine Mundorgel bis hin zur Oboe. Es wird gesungen, gelacht, geklatscht. Schliesslich fühlt sich auch ein Hirtenjunge von der Musik angezogen. Stolz singt er mit heiserer Stimme einige kirgisische Lieder, und würde am liebsten die Gitarre nicht mehr aus der Hand geben. Uns ist es recht :)



Die französische Reisegruppe

Die französische Reisegruppe






Zeltplatz vor der Kulisse eines kirgisischen Friedhofs

Zeltplatz vor der Kulisse eines kirgisischen Friedhofs


Der Sonnenuntergang taucht die Landschaft in die schönsten Farben

Der Sonnenuntergang taucht die Landschaft in die schönsten Farben


Gesellige Runde am Abend mit kirgisischem Gastauftritt.

Gesellige Runde am Abend mit kirgisischem Gastauftritt.

Höher und höher

Am liebsten würden wir uns der Gruppe für weitere 3 Jahren anschliessen, doch leider befinden sie sich bereits auf dem Heimweg und wir wollen doch noch nach China! Da sich zwischen uns und der chinesischen Grenze allerdings noch einige hohe Berge befinden, verlangsamt sich unser Tempo etwas. So brauchen wir dank ständigem Anhalten, um Fotos zu schiessen, Gegenwind und Kraftlosigkeit in den Beinen für die 90km-Etappe zum See Song-Köl schliesslich ganze 3 Tage.



Nach größtenteils flachen Strecken benutzen wir bei den "Bergetappen" nun wieder ganz andere Muskeln. Nach deren "Urlaub" danken sie es uns mit Muskelkater!

Nach größtenteils flachen Strecken benutzen wir bei den "Bergetappen" nun wieder ganz andere Muskeln. Nach deren "Urlaub" danken sie es uns mit Muskelkater!


Wuuuaaaahuuoooo! Wir sind oben! (Sollte ich Timm sagen, dass es noch sehr viel höher geht!?)

Wuuuaaaahuuoooo! Wir sind oben! (Sollte ich Timm sagen, dass es noch sehr viel höher geht!?)


Gigantische Aussicht! Nach einem ersten kurzen, aber steilen Anstieg geht es erst einmal wieder hinunter.

Gigantische Aussicht! Nach einem ersten kurzen, aber steilen Anstieg geht es erst einmal wieder hinunter.






Links und rechts des "Tals" durch das wir staunend fahren, erheben sich die Berge.

Links und rechts des "Tals" durch das wir staunend fahren, erheben sich die Berge.


Heuernte

Heuernte


Der in Kirgisistan typische Filzhut

Der in Kirgisistan typische Filzhut


Noch eine kleine Stärkung! Da hinten, wo die Sonne unter geht, müssen wir morgen hoch...

Noch eine kleine Stärkung! Da hinten, wo die Sonne unter geht, müssen wir morgen hoch...


Selbst hier haben wir ein Problem bei der Schlafplatzsuche: Wir können uns einfach nicht entscheiden!

Selbst hier haben wir ein Problem bei der Schlafplatzsuche: Wir können uns einfach nicht entscheiden!


Manchmal wünscht man sich einfach zu Fuß, ohne die schweren, bepackten Räder, den Anstieg zu bewältigen.

Manchmal wünscht man sich einfach zu Fuß, ohne die schweren, bepackten Räder, den Anstieg zu bewältigen.






Am nächsten Tag folgt der Aufstieg - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Oft schieben wir unsere Räder, da keine Kraft mehr in unseren Beinen steckt.

Am nächsten Tag folgt der Aufstieg - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Oft schieben wir unsere Räder, da keine Kraft mehr in unseren Beinen steckt.






Immer, wenn man sich schon am höchsten Punkt glaubt, geht es doch noch weiter nach oben.

Immer, wenn man sich schon am höchsten Punkt glaubt, geht es doch noch weiter nach oben.






Ungern möchten wir das Zelt in "luftiger Höhe" aufstellen. So heißt es: Zusammen reißen. Und mit letzter Kraft über den Pass zu gelangen.

Ungern möchten wir das Zelt in "luftiger Höhe" aufstellen. So heißt es: Zusammen reißen. Und mit letzter Kraft über den Pass zu gelangen.


Und schließlich ist es dann doch geschafft!

Und schließlich ist es dann doch geschafft!


Wie die Ankunft in eine andere Welt: Vor uns liegt die Hochebene um den See Song-Köl.

Wie die Ankunft in eine andere Welt: Vor uns liegt die Hochebene um den See Song-Köl.

Zelt vs. Jurte

Als wir endlich über den Pass geklettert sind, begrüßt uns der See Song-Köl wie aus einem Bilderbuch: Umgeben von Bergen glitzert er, als wären wir in den 90ern, angeleuchtet von Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Wolken bahnen. Leider fällt nicht nur Sonnenlicht durch die Wolken, sondern auch immer mehr Regentropfen. 3400 Meter über dem Meer! Der Wind ist kalt und nach kurzem innehaltendem Staunen, sind unsere vom Anstieg überhitzten Körper völligst ausgekühlt. Fünf Minuten später stehen wir in kompletter Winter Montur und Sandalen abfahrbereit auf dem Pass. Auf zum Song-Köl! Doch da werden wir heute nicht mehr ankommen. Auf halben Weg treffen wir auf einen Hirten, der uns zu seiner Jurte winkt. Er hat Mitleid mit den beiden Touristen, die sich bei der Kälte scheinbar nur Socken in Sandalen leisten können. Wir werden auf heissen Tee und Brot mit Sahne eingeladen. Die Jurte ist klein, aber gemütlich. Und es ist fast beschämend, mit welcher Einfachheit die Menschen hier leben, während wir uns beschweren, wenn wir eine Woche lang Spaghetti mit Tomatensoße essen müssen. Neugierig begutachten Vater und Sohn unsere Ausrüstung, als wir unsere Mikro-Jurte neben der Großen aufstellen. Ganz besonders gefällt dem Vater mein Taschenmesser. Und als ich ihm die Säge zeige, bekommt er sich vor Freude nicht mehr ein. Leider brauche ich es noch, doch wir tauschen Adressen aus, und ich verspreche ihm Eines aus Deutschland zu schicken! Ob das Paket bei der Jurte ankommt?



Verglichen mit unserem "kleinem Zuhause" wirkt die Jurte wie Mehrfamilienhaus.

Verglichen mit unserem "kleinem Zuhause" wirkt die Jurte wie ein Mehrfamilienhaus.






Es ist faszinierend wie einfach die Leute hier leben - und scheinbar glücklich damit sind.

Es ist faszinierend wie einfach die Leute hier leben - und scheinbar glücklich damit sind.


Der Tagesablauf wird vom Vieh bestimmt: Kühe werden gemolken, Pferde und Schafe auf die Wiesen getrieben.

Der Tagesablauf wird vom Vieh bestimmt: Kühe werden gemolken, Pferde und Schafe auf die Wiesen getrieben.






Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die Einblicke in dieses rauhe, sehr einfache und vielleicht manchmal wunderschöne Leben hier oben.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die Einblicke in dieses rauhe, sehr einfache und vielleicht manchmal wunderschöne Leben hier oben.

CBT-Community Based Tourism

Das Ziel dieser Organisation ist es, die sehenswerten Attraktionen und Praktiken jeder Region vorzustellen und dabei ein Gleichgewicht zu finden, zwischen erschwinglichen Preisen und höchstmöglicher Dienstleistungsqualität. Zu den Angeboten gehört unter anderem Trekking- und Pferdetouren, Jurtenaufbau, Übernachtungen in Jurten und Verpflegung. Eine gute Idee finden wir, da es die Menschen hier in Kirgisistan unterstützt und zum Beispiel den Hirten, die unter äußerst harten Bedingungen leben, die Möglichkeit gibt etwas Extrageld zu verdienen und wir als Touristen Einblick in ihre Traditionen bekommen.
Unsere Erfahrungen sind jedoch unterschiedlich: Mal wurden wir sehr herzlich empfangen, bekamen eine tolles kirgisisches Essen, mal wurde uns für umgerechnet zehn Euro lieblos eine kleine Schale fettige Nudeln vorgesetzt. Schade, den die Idee ist super, solange der Service stimmt, man bemüht ist und man als Tourist nicht nur als Goldesel gesehen wird.



Das CBT-Camp am See Song-Köl: Ein Jurtenhotel.

Das CBT-Camp am See Song-Köl: Ein Jurtenhotel.


Ab und zu notwendig: Die Räder gegen die geliebten Pferde eintauschen.

Ab und zu notwendig: Die Räder gegen die geliebten Pferde eintauschen.


Ein kirgisisches Sprichwort sagt, die "Pferde sind die Flügel eines Mannes". Auch wenn ich eine Frau bin, ich fühle mich auch gerade, als könne ich über die endlose Weite hier fliegen.

Ein kirgisisches Sprichwort sagt, die "Pferde sind die Flügel eines Mannes". Auch wenn ich eine Frau bin, ich fühle mich auch gerade, als könne ich über die endlose Weite hier fliegen.

Die Kirgisen und die Pferde

Kirgisistan ist ein Hochgebirgsland und viele Regionen sind nur schwer zugänglich. So sind die Kirgisen seit Generationen auf die Hilfe von Pferden angewiesen. Die Tiere sind aus dem Leben der Menschen vom Lande nicht wegzudenken. Die Hirten treiben ihre Tiere im Sommer seit Menschengedenken mit Hilfe von Pferden auf die bis zu 4.000 Meter hoch gelegenen Weiden. Die Kirgisen reiten auf allen Wegen und bei allen Arbeiten. Es scheint, als würden kirgisische Kinder das Reiten vor dem Laufen lernen und mit ihren Pferden aufwachsen. Die vergorene Stutenmilch wird zum Nationalgetränk “Kymis” verarbeitet.















Der junge Kirgise ist fasziniert von unserer Kamera

Der junge Kirgise ist fasziniert von unserer Kamera


Und auch der Hahn positioniert sich

Und auch der Hahn positioniert sich

Rund herum

Einmal um den See herum – klingt nach einer entspannten Spazierfahrt. Doch auch hier wartet ein hügeliges Auf- und Ab auf uns. Die Landschaft macht die Strapazen jedoch vergessen und die Nächte in der Stille und Einsamkeit des Sees sind einzigartig. Nur das Hufgetrappel einer vorbeiziehenden Pferdeherde lässt uns kurz aufhorchen.



Nun heißt es, auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Sieht soweit flach und gemütlich zu fahren aus...

Nun heißt es, auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Sieht soweit flach und gemütlich zu fahren aus...


Doch das Wetter wird schlechter, starker Wind und Temperaturen um die 10° Grad.

Doch das Wetter wird schlechter, starker Wind und Temperaturen um die 10° Grad.


Es geht hoch und runter... Wir kommen auf die Idee einfach die vom Vieh getrampelten Pfade entlang der Küste zu nutzen.

Es geht hoch und runter... Wir kommen auf die Idee einfach die vom Vieh getrampelten Pfade entlang der Küste zu nutzen.


Eine knifflige Angelegenheit bei all den Steinbrocken... aber spannend.

Eine knifflige Angelegenheit bei all den Steinbrocken... aber spannend.


Als wir zurück auf den Weg finden, gönnen wir uns erst mal eine Pause!

Als wir zurück auf den Weg finden, gönnen wir uns erst mal eine Pause!


Hier kann man gut Schäfchen zählen!

Hier kann man gut Schäfchen zählen!






















Stille. Atemberaubende Sonnen Auf- und Untergänge. Gigantischer Sternenhimmel.

Stille. Atemberaubende Sonnen Auf- und Untergänge. Gigantischer Sternenhimmel.


Am Morgen nähern sich ein paar Pferde unserem Zelt. Der Anführer begutachtet es sehr skeptisch...

Am Morgen nähern sich ein paar Pferde unserem Zelt. Der Anführer begutachtet es sehr skeptisch...


Ein letzter Blick auf den See am Pass, bevor es wieder hinunter geht.

Ein letzter Blick auf den See am Pass, bevor es wieder hinunter geht.


Open-air-Telefonzelle: Am Pass treffen sich die Siedler des Sees. Der einzige Punkt an dem man eine Netzverbindung erhält. Auch wir nutzen die Gelegenheit.

Open-air-Telefonzelle: Am Pass treffen sich die Siedler des Sees. Der einzige Punkt an dem man eine Netzverbindung erhält. Auch wir nutzen die Gelegenheit.






Nach ein paar wunderschönen Tagen verlassen wir die Hochebene und verlieren dadurch wieder einige der mühevoll erarbeiteten Höhenmeter

Nach ein paar wunderschönen Tagen verlassen wir die Hochebene und verlieren dadurch wieder einige der mühevoll erarbeiteten Höhenmeter


Doch die Strasse verspricht Fahrvergnügen!

Doch die Strasse verspricht Fahrvergnügen!


Und wir sind gespannt, was sich am Ende des Tals befindet!

Und wir sind gespannt, was sich am Ende des Tals befindet!