Kapitel 20: Schwarzes Meer – Teil 1
BULGARIEN




Auf nach Bulgarien

Wieder nähern wir uns einer Grenze. Wir versuchen mit unseren Kameras auf den letzten Metern noch ein paar Bilder der rumänischen Hunde einzufangen, doch wenn man die Kamera parat hat, fallen sie uns natürlich nicht mehr an. Vielleicht eine geheime Abwehrmethode? Vielleicht sind sie Kamerascheu? In Bulgarien wird uns ja sicherlich noch einer der Vierbeiner vor die Kamera springen. Doch kaum haben wir die Grenze passiert, sind die Hunde verschwunden. Kein Einziger läuft uns mehr über den Weg. Es ist faszinierend, dass sich nach jeder Grenze doch merklich das Bild ändert. Andere Strassen, andere Menschen, ein anderes Landschaftsbild. Seit langem sehen wir endlich einmal wieder hochgewachsene Laubbäume, und lila Flieder, dessen Geruch sich in unserer Nase breit macht, blüht überall entlang des Weges. Der Wind ist heute unser Gegner. Er bläst uns entgegen, so dass wir kräftig in die Pedale treten müssen, als ginge es steil bergauf. Das Vorankommen gelingt nur schwer und ist zermürbend. So sind am Ende des Tages unsere Kräfte aufgebraucht und wir hoffen auf eine ruhige Nacht. Timm möchte das Zelt nahe der Strasse in einem kleinen Wäldchen aufbauen, das zwar geeignet scheint, aber nicht wirklich als idyllischer Schlafplatz bezeichnet werden kann. Denn wenn wir schon am Meer sind, möchte ich auch in dessen Sichtweite Zelten. Meine Sturheit siegt. Wir fahren weiter. Ob meine Entscheidung gut ist, weiß ich nicht. Die Sonne lugt gerade noch am Horizont hervor und ich hoffe wir müssen meinetwegen das Zelt jetzt nicht im Dunkeln aufbauen. Das lasse ich mir natürlich nicht anmerken… Endlich zeigt sich dann eine Strasse die links ab in Richtung Meer führt. In dem Dorf, durch das wir mit unseren bepackten Rädern rollen, schenken uns die Menschen natürlich ihre volle Aufmerksamkeit. Kurz dahinter zeigt sich uns plötzlich ein wahrhaft traumhafter Anblick: Vor uns fällt die Küste steil ab und die Strasse schlängelt sich in Serpentinen durch eine Landschaft aus wildbewachsenen, sattgrünen Wiesen und schroffen Kalkfelsen.


Traumhafte Aussicht. Erholsame Ruhe.

Traumhafte Aussicht. Erholsame Ruhe.

Mit letzter Energie schieben wir die Räder nacheinander und mit vereinten Kräften einen Steilhang hinauf. Der Platz ist traumhaft. Wir küren ihn zum bisher schönsten Schlafplatz der Reise. Schade nur, dass uns nur noch einige Minuten Tageslicht bleiben, um den fantastischen Ausblick zu genießen. So wird mal wieder im Dunklen gekocht. Und unter sternenbesetztem Himmel diskutieren wir mampfend, ob das Licht des Leuchtturms, den man in der Ferne sieht, vielleicht schon der Bosporus sein kann?


Ein etwas mühsamer Aufstieg...

Ein etwas mühsamer Aufstieg...

 

...aber ein wunderschöner Schlafplatz!

...aber ein wunderschöner Schlafplatz!




Langsames Zusammenpacken am Morgen. Am liebsten würden wir hier noch eine Nacht verbringen.

Langsames Zusammenpacken am Morgen. Am liebsten würden wir hier noch eine Nacht verbringen.




 

Entlang der Küste

Am nächsten Tag folgen wir der Straße entlang der Küste. Es ist ein wahrer Genuss. Die Natur ist herrlich und die Straße kaum befahren. Immer wieder bleiben wir stehen, um einen Blick hinunter auf das glasklare, türkisfarbene Wasser zu werfen. Für unsere Beine jedoch, ist die gewählte Route nicht ganz so entspannend. Ein Wechsel aus Auf und Ab, wobei uns die erfrischenden Abfahrten wesentlich kürzer erscheinen. Bei knapp 30 Grad kommen wir ordentlich ins Schwitzen und freuen uns auf eine schöne Stelle am Meer, um uns Abkühlung zu verschaffen. Doch die Strasse tut uns diesen Gefallen nicht. Sie erlaubt uns zwar häufig einen Blick auf das kühle Nass, doch immer mit ausreichender Entfernung.














Wir genießen die wunderschöne Natur Bulgariens...

Wir genießen die wunderschöne Natur Bulgariens...

 

Schildkröten-Rettungs-Aktion: "Hörst du kleine Schildkröte. Über die Strasse laufen ist gefährlich!"

Schildkröten-Rettungs-Aktion: "Hörst du kleine Schildkröte. Über die Strasse laufen ist gefährlich!"

 

Ob man mit unseren bepackten Rädern wirklich schneller voran kommt als im Schildkrötentempo?

Ob man mit unseren bepackten Rädern wirklich schneller voran kommt als im Schildkrötentempo?

 

Aussicht auf die Wälder von Bulgarien. "Da hinten müssen wir lang!"

Aussicht auf die Wälder von Bulgarien. "Da hinten müssen wir lang!"




Uns läuft eine Horde Wildschweine über den Weg. Sichtlich unbeeindruckt von uns und unseren Rädern wühlen sie sich ungestört weiter durch das Laub.

Uns läuft eine Horde Wildschweine über den Weg. Sichtlich unbeeindruckt von uns und unseren Rädern wühlen sie sich ungestört weiter durch das Laub.

 

Eines der Schweine sieht irgendwie merkwürdig aus! Ob das auf eine geheime Affäre mit einem Hausschwein zurückzuführen ist?

Eines der Schweine sieht irgendwie merkwürdig aus! Ob das auf eine geheime Affäre mit einem Hausschwein zurückzuführen ist?

 

Es schüttet wie aus Eimern! Als das Zelt steht, sind wir nass bis auf die Unterhose...

Es schüttet wie aus Eimern! Als das Zelt steht, sind wir nass bis auf die Unterhose...

 

Hier drinnen ist es schön trocken!

Hier drinnen ist es schön trocken!

 

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder super und die Laune auch!

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder super und die Laune auch!

KAPITEL 19: Wir wollen ans Meer!
RUMÄNIEN




Die unüberwindbare Strasse

Timm: Auf der engen, überfüllten Ringstrasse fahren wir in einem großen Halbkreis von West- nach Ost-Bucarest. Dan hat uns empfohlen, danach den sogenannten “Sunshine” Highway zu benutzen. Eine neu ausgebaute Autobahn, die geradewegs 280 Kilometer von Bucarest zum Schwarzen Meer verläuft. Er verspricht uns eine breite Strasse mit großem Seitenstreifen und Raststätten mit sauberen Toiletten und Duschen. Die letzten dreißig Kilometer um Bucarest haben uns einmal wieder an unsere nervlichen Grenzen geführt. Doch jetzt wird Alles gut! Nur noch die letzte Kurve zur Auffahrt auf den Highway. *ZONK* Das überdimensional große Schild über der Strasse, welches auch mit fortgeschrittenem Grauen Star noch zu erkennen ist, schlägt uns ins Gesicht: “KEINE KUTSCHEN UND FAHRRÄDER!” Lorena und ich bleiben stehen. Was jetzt? Lorena macht Druck und fordert wie immer genervt eine Entscheidung von mir. Ich entscheide: Erst mal Mittagspause! Also kauen wir ganz romantisch auf der Grünfläche der Autobahnauffahrt trockenes Fladenbrot mit Frischkäse und starren kommentarlos vor uns hin. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell aus Dan’s behütetem Zuhause wieder in die Realität des Nomaden-Lebens zurückgeworfen werden. Wir suchen nach Alternativen: 15 Km zurück liegt die alte Landstrasse nach Constanta. Oder wir fahren nicht dorthin, sondern direkt nach Bulgarien? Lorena will weder zurück, noch auf die Autobahn. Will auch nicht nach Bulgarien und auch nicht auf der Grünfläche bleiben. Das macht es mir nicht gerade leicht eine Entscheidung zu treffen. Aber der Reiz auf der schnurrgeraden Autobahn mit dem Fahrrad zu fahren ist groß und ich kann Lorena überzeugen, dass dies eine verdammt gute Idee ist.






Lorena: Ich bin genervt und habe keine Lust auf einen Umweg. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, beschließen wir, für einige Kilometer illegaler Weise den einladenden, schnurgeraden Highway zu nutzen. Und wenn die Polizei kommt, stellen wir uns eben auf dumm. Tatsächlich schaue ich aber dennoch ständig in meinen Rückspiegel und warte auf das Blaulicht, welches uns dann aus dem Verkehr zieht. Es ist angenehm zu fahren. Beinahe wie mit dem Auto. Mit für uns enstsprechend rasender Geschwindigkeit (27 km/h!) rasen wir den endlos geraden Highway entlang. Wo ist denn bei diesem Fahrrad jetzt bloß der Tempomat? Nach einiger Zeit wird uns langweilig und die Angst vor dem Strafzettel der Polizei nicht weniger, als wir an einer Raststätte an einem Streifenwagen der Autobahnpolizei vorbeifahren. Glücklicherweise schläft der Fahrer des Wagens und wir beschließen das Glück nicht herauszufordern und auf die parallel verlaufende Landstrasse zu wechseln. Statt eines Strafzettels nutzen wir das Geld lieber für eine warme Dusche…


Timm: Nach insgesamt hundert Kilometern machen wir Schluss und fragen einen Tankwart um Camperlaubnis. Sein Kollege ist Wachmann des gegenübergelegenen geschlossenen Restaurants. Hier dürfen wir die Nacht im Garten verbringen. Auch der nächste Tag verläuft eigentlich ohne große Zwischenfälle und so kommen wir erneut auf hundert Kilometer. In Fetesti stoßen wir wieder auf die Donau, welche sich mittlerweile optisch merklich dem Delta nähert. Die Donau hat sich in zwei große Arme geteilt. Der Grünstreifen dazwischen ist etwa zehn Kilometer breit, und die einzige Strasse über diese Fläche und die beiden Donau-Arme in das auf der anderen Seite liegende Cernavoda ist unser alter Freund die Autobahn. Die Alternative wäre ein Umweg von 150 Km. Also keine wirkliche Option. Wir beschließen, noch am selben Tag über die erste Brücke auf die Insel zu fahren, um dort zu übernachten. Also zurück auf die Autobahn. Direkt vor der Brücke taucht eine Maut-Station auf. Wir können schon erahnen, dass das nicht lustig wird. Langsam rollen wir auf das Bollwerk zu. Ein Beamter hat uns schon entdeckt und kommt aus seinem Häußchen. Er gibt uns zu verstehen, dass wir von seiner Seite aus gerne dort lang fahren können, doch dass die Polizeibeamten, die direkt hinter der Mautstelle schon auf uns warten, wahrscheinlich weniger tolerant sind. Ich steige vom Fahrrad und laufe – vorbei an der Mautstelle – auf zwei Polizisten zu, welche mit verschränkten Armen lässig an der Motorhaube ihres Wagens lehnen und unsere Räder schon von weitem misstrauisch begutachtet haben. Ich lasse meinen ganzen Charme spielen, soweit mein Talent für Charme das zulässt, und bekomme ein zittriges Grinsen hin. Die Polizisten sind unbeeindruckt. Englisch spricht natürlich auch Keiner. Auf der Karte zeige ich, dass wir nach Cernavoda möchten. Sie zeigen auf die Brücke. Ein Hoffnungsschimmer. Doch dann: “Bicicletta, NO!” Äh, wie jetzt? Wir wollen doch ans Schwarze Meer. Nicht ein mal Betteln hilft. Der Polizist zeigt emotionslos auf die Überwachungskamera in seinem Auto. Keine Chance. Ich laufe enttäuscht zurück zu Lorena, welche mit den Rädern noch vor der Mautstation auf mich wartet. 150 Km Umweg… So kurz vor dem Ziel. Du kannst das Meer schon fast riechen und dann Das. Es ist mittlerweile Abend und wir werden es wahrscheinlich vor der Dunkelheit nicht mehr aus der Stadt schaffen. Also beschliessen wir gezwungenermaßen das nächste Hotel aufzusuchen. Noch auf der Autobahn spricht uns eine Frau aus ihrem Garten heraus an. Wir hoffen, dass sie uns bei der Schlafplatzsuche behilflich ist. Doch soweit kommt es nicht. Der Streifenwagen von eben hält neben uns, und die beiden Polizisten fordern uns mit Nachdruck auf die Autobahn endlich zu verlassen. Und so fahren wir mit Polizeischutz davon… Vielen Dank Herr Polizei!






In einem sehr ärmlichen Stadtteil werden wir von einer Kutsche mit fünf “Zigeunerkindern” überholt. Die Kutsche besteht aus vier Autoreifen und ein paar Brettern. Das Pferd ist abgemagert, das Fell stumpf, struppig und verklebt von Dreck. Sie sind sehr freundlich zu uns, doch es fällt schwer nach so vielen Horrorgeschichten über diese Bevölkerungsgruppe, Ihnen unvoreingenommen zu begenen. Wir fragen nach einem Hotel. Sie sind erfreut über unsere Offenheit und deuten uns an, uns dorthin zu führen. Als wir in Kollone (Kutsche, Fahrrad, Fahrrad) durch den Vorort rollen, bekommen wir von allen Seiten irgendwelche Zurufe. Die meisten Leute schauen böse und viele schütteln mit dem Kopf. Wir sind verunsichert, wissen nicht wie wir die Situation einschätzen sollen. Die Kinder sind sehr freundllich, wollen neugierig unsere Namen wissen und weisen uns letztendlich den richtigen Weg zum Hotel. Ich gehe hinein, um nach dem Preis zu fragen. Lorena bleibt bei den Rädern. Während die Rezeptionistin mir diesen zusammenrechnet und auf ein Blatt Papier krizzelt, schaue ich aus dem Fenster. Ein Polizist steht bei Lorena. Verdammt, bekommen wir jetzt doch noch die Rechnung für unseren Autobahnausflug?


Lorena: Der freundlich lächelnde Polizist kommt auf mich zu und fragt, ob wir heute Nacht in dem Hotel bleiben? “Ja”, antworte ich. Was soll ich auch anderes sagen. Nein, wir schauen erst mal, ob es uns zu teuer ist und wenn ja schlagen wir illegalerweise unser Zelt ein paar Meter weiter in den Büschen auf? Er ist sichtlich beruhigt über meine Antwort und trichtert mir daraufhin ein, dass wir auf keinen Fall weiterfahren sollen. Das Dorf, welches in der Richtung liegt, in die er weist, sei gefährlich und die Leute kriminell. Darauf verabschiedet er sich und fährt davon. War der jetzt nur da, um uns das zu sagen? Und woher weiß er, dass wir hier sind? Vielleicht sollten wir heute Nacht dann wirklich hier bleiben. Es blitzt. Ein Zeichen? Naja, auf jeden Fall verbringen wir die Nacht nach wohltuender Dusche in einem richtigen Bett.


In einem ruhigen Moment auf der rumänischen Autobahn.

In einem ruhigen Moment auf der rumänischen Autobahn.

Am nächsten Morgen versuchen wir erneut unser Glück, auf die andere Seite der Donau zu gelangen. Unser Plan: Wir fahren mit dem Zug. Als wir am Bahnhof eintreffen, der sich unmittelbar neben der Mautstelle von gestern befindet, rollt gerade ein Zug in Richtung Constanta los. Wir freuen uns, dass hier also tatsächlich Züge in die gewollte Richtung fahren. Als wir allerdings herausfinden, dass dieser Zug der Letzte vor vier Uhr am Nachmittag war – es ist gerade 10 Uhr – verschlechtert sich unsere Stimmung schnell wieder. Ich fahre nicht aussen herum! Punkt! Habt ihr schon mal versucht mit zwei voll bepackten Rädern per Anhalter zu fahren? Wir probieren es aus. Und schaffen es tatsächlich den ein oder anderen Sprinter bzw. Pick-Up zum Anhalten zu bewegen. Als wir dann aber auf unsere Räder zeigen, ernten wir immer wieder Kopfschütteln. Ein Taxifahrer wittert seine Chance und macht uns das Angebot uns für 100 Lei (umgerechnet ca. 20 Euro) zu fahren. Doch uns ist unser Geld zu schade. Das muss doch auch anders gehen. Aber niemand nimmt uns mit. Ich warte schon halb verzweifelt bei den Rädern, während Timm direkt an der Strasse weiter sein Glück versucht.


Timm: Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Wagen der Autobahnpolizei oder sowas in der Art. Sie schauen uns von Weitem zu, wie wir verzweifelt versuchen per Anhalter auf die andere Seite zu kommen. Nach circa einer Stunde erfolglosem Warten, kommen sie zu uns herübergefahren. Ich befürchte schon, dass wir wieder einen Autobahn-Platzverweis bekommen. Doch die beiden Herren in dem Auto bieten sich an, uns mit Blaulicht auf die andere Seite zu begleiten. Großartig! Dann deutet er mir allerdings an, dass es etwas kostet. Ich frage Wieviel. Er fragt, was ich bereit bin zu zahlen. Ich sage: “40 Lei?” Er sagt: “Einverstanden.” Also fahren wir wieder einmal unter Polizeischutz auf der Autobahn. Diesmal in die richtige Richtung. Über die erste Brücke. Jetzt nur noch 10 Kilometer über die Insel und über die zweite Brücke, dann haben wir es geschafft. Aber unserem Sicherheitsdienst scheint die Lust vergangen zu sein. Sie halten an und fordern ihr Geld ein. Na super. Voll abgezockt. Wir fahren alleine weiter. Was uns wohl hinter der zweiten Brücke erwartet? Wieder eine Mautstation? Wieder eine Polizeitstreife, die uns aus dem Verkehr zieht? Wir versuchen unsere schlechte Laune zu besänftigen, indem wir uns einreden, dass ein Zugticket bestimmt genauso teuer gewesen wäre… Ja klar!


Auf der zweiten Brücke verabschieden wir uns noch ein letztes Mal von der Donau, da wir diese nun bis zum Ende unserer Reise wohl nicht mehr wiedersehen werden! Als wir dann gerade von der Autobahn abfahren wollen, überholen uns hupend die beiden “Polizisten” von eben. Wir sollen ihnen in eine schottrige Straße folgen. Eine Abkürzung? Nochmal Abzocken? Am liebsten würde ich sie ignorieren… Aber irgendwie fahre ich trotzdem hinter ihnen her. Als der Weg nach einer Kurve wieder auf die Straße führt, welche von der Autobahn abzweigt sehen wir den Grund. Eine Polizeisperre, welche alle von der Autobahn kommenden Autos kontrolliert. Glück gehabt. Dann waren die 40 Lei doch noch für etwas gut!


Tschüss Donau, du warst ein toller Begleiter!

Tschüss Donau, du warst ein toller Begleiter!

 

Steht ein Pferd auf der Strasse...

Steht ein Pferd auf der Strasse...

Wie weit ist es noch bis zum Schwarzen Meer?

Jetzt ist es nicht mehr weit. Wir haben die unpassierbare Autobahn überquert! Gemütlich kochen wir uns ein Süppchen zur Mittagspause und machen es uns in der Sonne bequem. Es ist ein Uhr. Nur noch 40 km bis Constanta. Das ist entspannt zu fahren. Doch kaum haben wir uns wieder in Bewegung gesetzt, ruft Timm von hinten: “Stopp!” Ein Platten. Ach man! Gerade lief es so gut und wir liegen prima in der Zeit. Und dann auch noch am Hinterrad. Also Kette runter, Reifen raus, Platten flicken. Eine streunende Hündin kommt vorbei und schaut mit hungrigem Blick auf den Keks, den ich mir gerade in den Mund schiebe, während Timm am Rad werkelt. Ich halte mich bei dieser Arbeit bewusst zurück, da der Mann meint es besser zu können. So ist der Reifen relativ schnell geflickt. Alle Taschen zurück ans Rad und weiter. Nach nur 200 Metern hält Timm erneut an. Ich frage mich, was nun wieder los ist. Er hält einen rostigen Nagel in der Hand. “Das ist jetzt nicht dein Ernst? Noch ein Platten?!” Mir ist es unbegreiflich, wie man innerhalb weniger Meter zwei Mal direkt hintereinander einen Platten haben kann! (Die letzten 3.000 Kilometer ging es doch auch ohne!) Aber wahrscheinlich ist Timm darüber auch nicht sehr glücklich. Wir reparieren wortlos auch den zweiten Platten. Nun wird die Zeit knapp. Wir fahren so schnell wie möglich in Richtung unseres Zielortes. Es wird immer dunkler. Das Meer ist noch nicht einmal in Sicht. Um uns herum befinden sich Vorstadtsiedlungen von Constanta und Industriegebiete. Aus dem Dunkeln springt plötzlich eine Meute Hunde und kläfft uns gefährlich an. Wir schreien die Viecher an, um sie uns vom Leib zu halten. Ein Mann mit einem Besen kommt hinzu und verscheucht sie. Ich bin nervlich und körperlich erschöpft. Die Strasse ist sehr dunkel und wenig beleuchtet, der Verkehr immer noch sehr stark und am Horizont blitzt es immer wieder heftig. Als wir endlich die Stadt erreichen, nehmen wir das erstbeste Hotel, was wir finden können. Eine gute Gelegenheit, die Taschen mal wieder zu säubern. Doch stattdessen futtern wir noch ein Stück Brot und beschließen einfach Nichts zu tun und einen entspannten Rest-Abend vor dem Fernseher zu verbringen. Gute Nacht!


Ausruhen im Hotel in Constanta (Dusche, Bett, Erholung und Frühstück für 23 Euro)

Ausruhen im Hotel in Constanta (Dusche, Bett, Erholung und Frühstück für 23 Euro)

 

Erst am nächsten Morgen und bei Sonnenschein werfen wir nach 2737 mit dem Rad gefahrenen Kilometern am 21. April 2012 einen ersten Blick auf das Schwarze Meer.

Erst am nächsten Morgen und bei Sonnenschein werfen wir nach 2737 mit dem Rad gefahrenen Kilometern am 21. April 2012 einen ersten Blick auf das Schwarze Meer.

 

Zwei Tage Pause auf einem Campingplatz kurz vor der bulgarischen Grenze. Da wir die einzigen Gäste sind, nutzen wir den Platz aus...

Zwei Tage Pause auf einem Campingplatz kurz vor der bulgarischen Grenze. Da wir die einzigen Gäste sind, nutzen wir den Platz aus...

 

Strandtag ohne Baden. Das Wasser ist leider noch zu kalt!

Strandtag ohne Baden. Das Wasser ist leider noch zu kalt!

Die wilden Hunde Rumäniens

Es kursieren die verrücktesten Geschichten über die Hunde Rumäniens. Wir bekommen sogar erzählt, dass Rudel wild lebender Hunde über Menschen herfallen. So wurden wir schon vor unserer Reise immer wieder vor ihnen gewarnt. Besonders auf Radfahrer hätten sie es abgesehen. Und tatsächlich sorgen sie regelmäßig für den nötigen Adrenalin-Kick beim Fahrradfahren. Urplötzlich springen sie manchmal aus einer Hecke heraus auf uns zu und rennen kläffend hinter uns her. Wir arbeiten an verschiedenen Methoden zur Hundeabwehr. Eine, die sich besonders gut bewährt hat, ist das abrupte Stehenbleiben mit gleichzeitig lautem Schreien. Meist stellt sich heraus, dass die Hunde dann mehr Angst vor uns haben, als wir vor ihnen. Obwohl ich Hunde liebe, entwickelt sich bei mir teilweise eine richtige Abneigung gegen die Vierbeiner, die so verwahrlost sind, dass sie manchmal richtig unheimlich aussehen, wenn sie Zähne fletschend vor einem stehen.


Sie lauern und warten auf Fahrradfahrer.

Sie lauern und warten auf Fahrradfahrer.

Kapitel 18: The Bear and the Fox
BUCAREST




The Bear and the Fox

Es ist fast schon Gewohnheit, dass wir es uns zum Frühstücken im Vorzelt von Mike (gesproch. Micki) und Dan gemütlich machen. Was bei dem anhaltenden Regen wesentlich angenehmer ist, als in unserem kleinen Zelt zu kauern. Sie unterschreiben auf unserem T-shirt mit the Bear and the Fox, was optisch auch ganz gut auf sie zutrifft. Die Beiden bemuttern und bevatern uns wo sie nur können und es gibt ein herrliches Oster-Frühstücks-Buffet. Mike führt uns in die rumänischen Osterbräuche ein, die hier unserer Meinung nach mehr Bedeutung für die Menschen haben, als in Deutschland. Wahrscheinlich bekommt man aber auch ein anderes Bewusstsein dafür, wenn man den nötigen Abstand zum Bekannten hat und mit Neuem und Fremdem konfrontiert wird. Eine schöne Geste ist zum Beispiel, dass man die Ostereier nicht einfach vertilgt, sondern man sie sich gegenseitig “anschlägt” und etwas auf Rumänisch sagt, was so viel heißt wie “Gott sei mit dir!” Dan kommt plötzlich auf die Idee, dass sie uns und die Räder bis nach Bucarest in ihrem Wohnwagen mitnehmen können. Timm und ich schauen uns an und entscheiden, dass dies kein allzu schlechter Plan ist. Wir hatten sowieso mit dem Gedanken gespielt ab Bucarest eine Zugverbindung zu nutzen, um die Zeit, die wir in den Karpaten verbracht haben wieder aufzuholen. So werden am Ostermontag die Fahrräder und unser Gepäck – nicht ganz nach deutschen Idealvorstellungen – am Wohnwagen verschnürt und verzurrt und wir brechen auf in Richtung der rumänischen Hauptstadt. Leider, denn wir wären gerne noch ein paar Wochen länger in Herculane geblieben!
Dan führt ein Limousinen-Unternehmen in Bucarest und der Mercedes, in dem wir nun äußerst komfortabel reisen, ist das Flaggschiff seiner Flotte. Ein Auto mit deutscher Vergangenheit: Angeblich war Boris Becker der Erstbesitzer. Dieser ist mit dem Mercedes nach Rumänien gefahren und hat ihn dort dem rumänischen Tennisstar Nastase geschenkt, welcher aber für so einen gepanzerten Mercedes keine Verwendung fand und ihn an Dan verkaufte.




Aufbruch. Wir verlassen schweren Herzens Herculane.

Aufbruch. Wir verlassen schweren Herzens Herculane.

 

Ob das hält...?

Ob das hält...?

Kurz nach dem Staudamm des Eisernen Tores machen wir eine Pause auf einem Schiff, welches als Restaurant dient. Zum Glück entscheiden wir uns zum zweiten Mal die Fischsuppe zu probieren und müssen feststellen, dass sie hier deutlich besser schmeckt als in dem Restaurant in Ungarn. Um uns bei den Beiden zu revanchieren, beschließen wir sie einzuladen. Dan ist irritiert und gesteht, dass er sich gar nicht erinnern kann, wann er das letzte Mal eingeladen wurde. Doch sie nehmen unsere Einladung dankend an. Eigentlich dachten sie wir würden “The German Way” bezahlen: Dan, der durch seinen Beruf mit Menschen verschiedenster Nationalität zu tun hat, erzählt, dass den Deutschen der Ruf anhängt, Rechnungen grundsätzlich zu teilen. Und wenn ich das so überdenke, habe ich während meiner Zeit in der Gastronomie tatsächlich einige Zeit damit verbracht Rechnungen in verschiedensten Variationen neu zu addieren: “Die Getränke übernehmen wir, das Essen zahlt jeder selbst.” “Ich zahle eine halbe Wasserflasche.” Oder Ehe-Paare, bei denen dennoch jeder seinen Teil selbst übernimmt. The German Way eben. So kommt es laut Dan auch nur bei den deutschen Kunden vor, dass ein Shuttletermin für exakt 13.55 Uhr gebucht wird. Und so lernt man im Ausland eine Menge über sich selbst…






Über das Reisen mit dem Auto…

Die Fahrt nach Bucarest zieht sich, da die Straßen hier nicht besonders gut ausgebaut sind und der Verkehr aufgrund des Oster-Wochenendes besonders stark ist. Man reist zwar schneller, als mit dem Fahrrad, dennoch kommt es mir wesentlich länger vor. Man erlebt Nichts, die Landschaft zieht in kurzlebigen Bildern an einem vorbei und man sitzt über Stunden starr auf seinem Platz. Timm und mir ist zwischenzeitig etwas übel. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir diese rasante Reise-Geschwindigkeit von über 100km/h nicht mehr gewohnt sind. Dennoch ist die Fahrt sehr interessant und uns wird trotz allem nicht langweilig, da man Dan als wandelndes Lexikon bezeichnen kann. Er erzählt gerne und viel und weiß eine Menge über Rumänien, die zugehörigen Leute und allerlei Anderes zu erzählen. In brilliantem British English. Irgendwie herrscht ein sehr vertrautes Gefühl zwischen uns und den Beiden. So müssen wir besonders herzlich lachen, als wir uns unsere gegenseitigen “Verschwörungs-Theorien” beichten. So gestehen Dan und Mike, dass sie sich nicht sicher waren, ob es gut ist “Hitchhiker” mitzunehmen, doch wenn wir vorgehabt hätten, sie auszurauben oder zu töten, es wahrscheinlich schon längst getan hätten. So sind sie inzwischen zu dem Schluß gekommen, dass wir wohl keinerlei kriminelle Absichten haben und nicht vorhaben ihnen ihre IDs zu entwenden. Timm hatte sich ebenfalls Gedanken zur “Gegenpartei” gemacht, als wir beide an einer Raststätte auf Toilette waren, während Dan und Mike mitsamt all unserer Sachen – inklusive der Pässe und Geld – draussen im Caravan gewartet haben. Und als Dan uns auf dem Campingplatz in Herculane den Rotwein auf den Tisch stellte, dachte ich beim Trinken an Schlafmittel, Gift und Drogen. Nach der im Nachhinein völlig absurden und sehr amüsanten Beichtstunde bietet uns Dan an, im Falle, dass wir keine Unterkunft finden, eine Nacht in ihrem Haus zu verbringen.


Ob das die richtige Entscheidung war?

Ob das die richtige Entscheidung war?

 

"Was meinst du Schatz? Bequem ist es ja schon, so zu reisen..."

"Was meinst du Schatz? Bequem ist es ja schon, so zu reisen..."

Zigeuner

Ich erinnere mich, dass ich als kleines Mädchen zu Fasching einmal als Zigeunermädchen verkleidet war. Ich habe das Kostüm geliebt. Goldene, lange Ohringe und bunte, faszinierende Kleider. Wahrscheinlich assoziieren die Meisten so wie ich das Wort “Zigeuner” mit einem geheimnissvollen, reisenden, Zirkusähnlichen Volk. In Rumänien zeigt sich uns eine andere, überraschende Realität. Es herrscht ein schwieriger Konflikt zwischen den “heimatlosen” Menschen (Roma, genannt Gypsies aus dem Englischen) und den Rumänen. Sie leben abgeschottet, gelten als unehrlich und faul mit kriminellen Absichten. Beinahe jeder Rumäne hält uns vor, sich ja vor diesen Leuten in Acht zu nehmen. Wir bekommen den Eindruck, dass die rumänische Bevölkerung sich unbedingt von den Roma abgrenzen will, die ihrer Meinung nach den Ruf des Landes beschmutzen. Dan erzählt uns, es bestehe ein richtiges kriminelles System, mit Anführern, die in bestimmten Gegenden in wahren Palästen residieren. Die meisten Roma haben keine ID, so ist es für die Polizei nahezu unmöglich, juristisch gegen kriminelle Machenschaften vorzugehen. Sehr erschreckend ist es, dass manche Rumänen sogar einige Theorien der NS-Zeit als richtig betrachten. Wir fragen uns, wie soll Jemand nicht kriminell sein, wenn ihm keine andere Chance geboten wird, sich in das “normale” Leben zu integrieren? Bei uns macht sich ein großes Interesse breit, den Konflikt einmal aus der anderen Perspektive zu betrachten. Gleichzeitig sind wir auch ein wenig eingeschüchtert, durch die vielen Warnungen uns vor diesen Menschen in Acht zu nehmen.


Indisch anmutendes Roma Haus.

Indisch anmutendes Roma Haus.


 

Unsere rumänische Familie

Aus einer Übernachtung werden drei. Wir haben in dem selbstentworfenen Holzhaus am See unser eigenes kleines Zimmer mit einem fantastischen Ausblick auf Bucarest. Dan hält es für unnötig, dass wir noch einmal umziehen und lädt uns ein, die Zeit, die wir in Bucarest bleiben möchten, bei ihnen zu verbringen. Als dann auch noch ein ordentlicher Sturm aufkommt, verbietet er uns beinahe schon am zweiten Tag aufzubrechen. Und so bleiben wir und fühlen uns unter diesen herzlichen Menschen pudelwohl. Dan´s Sohn Mihai, der etwa in unserem Alter ist, ist mit seiner frisch vermählten Frau Andreea zu Besuch. Es macht Spaß sich mit den Beiden auszutauschen. Sie haben zwei Jahre in England verbracht und so lernen wir nicht nur Einiges über die rumänische, sondern auch die englische Kultur aus rumänischer Sicht. Es ist köstlich ihnen zuzuhören, wenn sie fast schon Kabarett ähnlich von ihren Erfahrungen in dem zu Rumänien wohl absolut gegensätzlichen Land erzählen. Wir begleiten die Beiden in die Stadt und erleben wie in Rumänien die Miete “eingetrieben” wird. Wie man seinen Ausweis von den Behörden abholt. Wie man in Bucarest einen Parkplatz findet und Verkehrsregeln wohlwissentlich einfach missachtet.


Unser "Arbeitszimmer" bei Dan und Mike

Unser "Arbeitszimmer" bei Dan und Mike

 

Bis zur späten Stunde wird an den Berichten gearbeitet...

Bis zur späten Stunde wird an den Berichten gearbeitet...

 

Wir werden kulinarisch verwöhnt...

Wir werden kulinarisch verwöhnt...

 

Bratwurst-Brat-Contest! Deutsche Version: Mit Ketchup und Curry.

Bratwurst-Brat-Contest! Deutsche Version: Mit Ketchup und Curry.

Abschied

Dan will uns eigentlich noch nicht gehen lassen, da das Wetter immer noch nicht das Beste ist. Doch wir wollen weiter. Ansonsten hätte unsere “Auto-Zeit-Aufhol-Aktion” ihren Sinn verfehlt. So brechen wir in Begleitung von Mike, Mihai und Andreea, die langsam im Auto mit Warnblinkanlage vorweg fahren, in Richtung Constanta am Schwarzen Meer auf. Sie empfehlen uns die “Ring-Road” als besten Weg aus der überfüllten Stadt heraus. Ein letztes Mal Winken bevor wir auf die Abbiegespur auffahren. Ich weiß nicht, ob ich zu ängstlich bin, aber die Strasse ist der Horror! Zwischen der Leitplanke aus Beton und uns riesig erscheinenden LKW arbeiten wir uns bei starkem Verkehr Meter für Meter vorwärts. Der Straßenrand ist staubig und so sind wir nach wenigen Minuten “paniert”. Konzentriert fahren wir auf dem weissen Makierungsstreifen, um einer Kollision zu entgehen. Wir haben gerade einmal einen Meter Platz. Und so bleibt uns auch nichts Anderes übrig, als über das bereits plattgefahrene, kaum noch als Hund erkennbare Tier zu rollen, was plötzlich vor uns auftaucht *dudumb* *würg*… Verlassen können wir die Strasse dummerweise nicht, da wir mit Dan auf halber Strecke verabredet sind. Wir haben unser GPS-Gerät in seinem Auto liegen lassen und so fängt er uns ab, um uns das verlorengeglaubte Gerät zu überreichen. Endlich taucht dann der schwarze Mercedes auf! Eine kurze wohltuende Entspannungspause für die Nerven, ein letztes Foto mit unserem “Ersatz-Papa” Dan, eine Umarmung. Dann geht es weiter. Dan geleitet uns noch einige Kilometer und hält uns so den Rücken frei. Über eine Sprechanlage, wie aus Miami Vice, navigiert er uns aus der Stadt heraus. Sogar den Angriff zweier Hunde, die gefährlich nahe an Timms Wade kommen, wehrt er erfolgreich durch lautes Hupen ab. Da Dan uns leider nicht bis nach China begleiten kann, zieht der Mercedes irgendwann schließlich an uns vorbei. Ein letztes Winken und dann wird er kleiner und kleiner und wir sind wieder allein…


Wir bepacken die Räder für die Weiterfahrt.

Wir bepacken die Räder für die Weiterfahrt.

 

Unsere "Ersatzfamilie" aus Bucarest! THANK YOU FOR EVERYTHING!!!!

Unsere "Ersatzfamilie" aus Bucarest! THANK YOU FOR EVERYTHING!!!!

 

Good bye Dan! Hope to see you again in Herculane...

Good bye Dan! Hope to see you again in Herculane...

KAPITEL 17: FAULE EIER ZU OSTERN
RUMÄNIEN

Wenn Zeichensprache an ihre Grenzen stößt: Einer der Männer drückt mir sein Handy in die Hand.

Wenn Zeichensprache an ihre Grenzen stößt: Einer der Männer drückt mir sein Handy in die Hand.

Orsova

Ein Penny Markt in Orsova. Auf den ersten Blick wirkt dieser sehr vertraut. Doch schon beim Eintreten stelle ich fest, dass ich versuchen muss, meinen deutschen Sinn für Ordnung zu unterdrücken. Überall stehen die riesigen Einkaufswagen in den viel zu engen Gängen kreuz und quer und es herrscht ein wahres Durcheinander. Ich atme einmal tief durch und füge mich in das Chaos ein. Als ich nach einer geschlagenen halben Stunde endlich wieder heraus komme, hat sich über uns eine graue Ansammlung von Wolken gebildet. Bis der erste Tropfen fällt, ist es wohl nur noch eine Frage von Minuten. Dabei wollten wir heute noch ein ganzes Stück weiter, weg von der Donau in Richtung des rumänischen Gebirges – den Karpaten – fahren. Auch wenn es für uns ein “Umweg” ist, wollen wir die Chance die sagenumwogenen Berge zu sehen nicht ungenutzt lassen, wenn wir schon einmal in greifbarer Nähe sind. Die schneebedeckten Gipfel, die wir bereits von der Ferne aus erahnen konnten, haben uns Lust auf Mehr gemacht. Und Timms Traum war es schon lange, mit seinen Brüdern dort zu Wandern. Doch die einzige Strasse, die in Richtung der Karpaten führt, ist auf unserer Karte als Autobahn oder Bundesstrasse eingezeichnet und wir sind uns nicht sicher, ob sie mit unseren Rädern befahrbar ist. Vielleicht sollten wir für heute in Orsova bleiben, um Morgen früher und besser informiert in die Berge aufzubrechen! Doch das kleine Hostel bei dem wir unser Glück versuchen hat geschlossen. Ein älterer Mann bemerkt, dass wir auf der Suche nach einer Unterkunft sind und versucht uns ohne viel Erfolg auf Rumänisch weiter zu helfen. Ein Zweiter kommt hinzu und wir schaffen es zumindest, den Beiden anhand von Zeichensprache und der Landkarte zu erklären, woher wir kommen, was wir vorhaben und dass wir heute Nacht eine Unterkunft suchen. Der kleine, ältere Herr ist völlig aufgelöst und wiederholt fassunglos immer wieder die Wörter “China”, “bicicleta”. So bildet sich schnell eine Traube von Männern um uns, die wild diskutieren, bis uns Einer schließlich ein Telefon entgegen hält. Timm geht dran und sagt überrascht: “Oh, Sie sprechen ja Deutsch!” Anscheinend gibt es im Ort eine Pension, die von einem Deutschen geführt wird und an den wir nun vermittelt wurden. Wer weiß wozu es gut ist. Vielleicht kann er uns weiter helfen, bezüglich der Routenplanung für die Karpaten. Die Unterkunft ist wirklich schön und direkt an der Donau gelegen, doch wirkliche Hilfe erhalten wir nicht. So starten wir am nächsten Morgen genauso schlau wie vorher.



Der eher pessimistisch eingestellte gebürtige Wolfsburger klärt uns über Rumänien auf.

Der eher pessimistisch eingestellte gebürtige Wolfsburger klärt uns über Rumänien auf.


Deutsche Ordnung mit rumänischer Aussicht

Deutsche Ordnung mit rumänischer Aussicht

Baile Herculane

Baile Herculane

Mit dem Fahrrad durch die Karpaten

Das klingt nach Anstrengung, doch vielleicht können wir unsere Räder an einem sicheren Ort deponieren, um einen Tag zu Fuß die steileren Regionen des Landes zu erkunden. Die Strasse windet sich steil nach oben und wir werfen einen ersten Blick auf Baile Herculane. Wir wollen uns allerdings nicht weiter in der Stadt aufhalten, da sie als sehr touristisch gilt und wir eher auf der Suche nach einsamer Natur sind. Also schnell ein Foto und weiter gehts. Kurz bevor wir den Ortsausgang passieren sehen wir links von uns, auf der anderen Seite des Flusses, eine Person in der Felswand hängen. Ein Kletterer! Da wir beide vom Klettern begeistert sind, wollen wir uns das Ganze natürlich aus der Nähe anschauen. Und vielleicht kennen die sich ja aus, wo man am besten wandern kann. Eine Gruppe junger Leute sitzt dort in Kletterausrüstung und beobachtet uns neugierig als wir angerollt kommen. Auf unsere Frage hin, ob sie sich hier in der Gegend auskennen, fangen sie an zu Grinsen und wir können unser Glück kaum fassen, als uns einer der Jungs erzählt, dass sie für die rumänische Bergwacht arbeiten und sich daher ganz besonders gut in dem Gebiet auskennen. Zufall?




“Wollt ihr auch mal?” Überrascht schauen wir ihn an. Klar wollen wir!!! Und kurz darauf hängen wir in der Wand. Dass wir die Chance haben würden, in den Karpaten zu klettern, hätten wir niemals gedacht! Es ist schon komisch. Gerade ich bin beim Klettern immer sehr vorsichtig und ängstlich. Dennoch fühle ich mich sehr sicher, als ich von dem mir eigentlich völlig fremden Hardy gesichert werde. Endlich werden die Armmuskeln, welche auf der Reise allmählich verkümmern mal wieder benutzt. Allerdings mit dem Ergebnis, dass wir nach nur einer Route schon recht dicke Unterarme haben.


Timm: Ich bin überglücklich, endlich ein mal wieder kalten, kantigen Stein in meinen Händen halten zu können. Mit Hilfe der überschwänglich gastfreundlichen rumänischen Clique, welche mir die Route von unten zurufend erklärt, bin ich schneller oben, als mir lieb ist. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Klettern auf der Reise so fehlen wird.
Hardy und seine Jungs, klären uns über Baila Herculane auf und zeigen uns ein kleines Becken am Fluss, was mit heißem Quellwasser gespeißt wird, welches direkt aus dem Felsen kommt, den wir gerade beklettern durften. Fantastisch!



Ein vertrautes Gefühl

Ein vertrautes Gefühl


Klettern und danach je nach Geschmack und Wetter ein warmes oder kühles Bad.

Klettern und danach je nach Geschmack und Wetter ein warmes oder kühles Bad.

Eigentlich wollten wir heute noch ein ganzes Stück weiter fahren, doch wir fühlen uns inmitten der Leute ausgesprochen wohl und so beschließen wir – ungeplanter Weise – doch eine Nacht in Herculane zu verbringen.
Es wird langsam Abend und wir haben noch keinen Schlafplatz. Die Jungs bieten uns an, mich zu einem kleinen Campingplatz in der Stadt zu fahren, um heraus zu finden, ob dieser bereits geöffnet hat. Lorena bleibt mit den Mädels und den Fahrrädern zurück. Wir fahren durch Herculane, vorbei an größtenteils zerfallenen, aber unglaublich majestätisch wirkenden Gebäuden, welche zeigen, was für eine prunkvolle Stadt dies einst gewesen sein muss.














Baile Herculane: Auf einer Länge von vier Kilometern werden 16 Thermalquellen verschiedener mineralischer Zusammensetzung genutzt; es gibt natriumchlorid-, bikarbonat-, und kalzium-haltige sowie brom-, jod- und schwefel-haltige Quellen zwischen 38 und 67 °C. Die Existenz der Siedlung ist seit dem Jahr 153 durch eine römische Inschrift bezeugt. In der Zeit des Römischen Reiches war Herkulesbad ein wichtiger Kurort, der dem griechisch-römischen Gott Herakles gewidmet war. Nach der Vertreibung der Römer sank die Bedeutung des Ortes. Der moderne Kurbetrieb begann mit der Inbesitznahme des Banats von den Türken durch Österreich-Ungarn im Jahr 1718. Damals wurden durch den Feldmarschall Hamilton neue Bäder angelegt. Im Jahr 1811 wurden 944 Kurgäste gezählt, 1830 waren es 1431. Die Kurgebäude errichtete man in österreichischem Barockstil. Im 18. und 19. Jahrhundert besuchten mehrere österreichisch-ungarische Herrscher den Ort, unter anderem Sissi mit ihrem Gemahl Franz Joseph I. Baile Herculane ist heute einer der bedeutendsten Kurorte Rumäniens.


Der Glanz vergangener Tage.

Der Glanz vergangener Tage.







Der Cerna Fluss zieht sich durch das schmale Städtchen.

Der Cerna Fluss zieht sich durch das schmale Städtchen.


Blick von Herculane in Richtung Domogled.

Blick von Herculane in Richtung Domogled.






Der Campingplatz

Beim Campingplatz, welcher aus einigen kleinen Bungalows besteht, bekommen die Jungs von der Bergwacht einen Notruf. Mit Blaulicht heizt der Landrover durch die schmalen, holperigen Strassen zurück zu Lorena und den Rädern, um mich dort wieder abzusetzen. Während ich auf der Rückbank hin und her rutsche, tauschen wir noch schnell die Telefonnummern aus und verabreden uns für den Abend auf ein Bier. Den Weg zum Campingplatz finde ich nun alleine. Leider treffen wir trotz langem Warten und lautem Rufen Niemanden an. Wir beschließen nach kurzem Zögern wenigstens schon einmal mit dem Abendessen zu beginnen. Vielleicht taucht die zuständige Person ja doch noch auf! Auf der überdachten Veranda eines Bungalows machen wir es uns auf einer verschlissenen, alten Couch gemütlich, als plötzlich ein stämmiger Mann im Bademantel vor uns auftaucht. In perfektem britischem Englisch, erklärt er uns, dass der Campingplatz Betreiber vorherige Woche verstorben sei, wir aber ohne Probleme hier Zelten können. Entschlossen lädt er uns ein, unser Zelt in der Nähe seines Caravans aufzuschlagen und unser Abendessen in seinem Vorzelt “einzunehmen”. Die Einladung nehmen wir gerne an, da es gerade mächtig anfängt zu Regnen. Seine Frau Mike empfängt uns ebenfalls sehr herzlich und als Highlight bekommen wir noch zwei Becher Rotwein zu unserem Essen serviert.



Der Campingplatz in Baile Herculane

Der Campingplatz in Baile Herculane

Abend

Hardy und seine Freundin Nicole haben uns mit rumänischer Pünktlichkeit irgendwann zwischen 21 und 24 Uhr abgeholt. In der kleinen Bar im alten Stadtteil treffen wir die Anderen wieder und noch ein paar weitere Freunde. Unser Vorhaben wird bewundert. Aber auch hier scheinen wir nicht die Ersten zu sein. Vor ein Paar Jahren ist ein Pärchen zu Fuß durch dieses Städtchen gekommen. Sie waren auf dem Weg von Norwegen nach Griechenland. Nach 8000km mussten sie ihr Vorhaben allerdings aus gesundheitlichen Gründen in Herculane abbrechen. Dann geht die Tür auf. Ein Mann kommt herein und Hardy flüstert uns zu: “Das ist der Boss!” Der Boss bergrüßt uns überraschenderweise mit “Guten Abend!” Valentin spricht fließend Deutsch, da seine Großmutter österreischicher Abstammung ist.
Wir haben das Gefühl, dass die Leute hier alle sehr bemüht darum sind, Herculane wieder zu dem zu machen, was es einmal war: Die Perle Rumäniens. Auch wir sind inzwischen begeistert von der kleinen Stadt, die am Rande der Karpaten gelegen der perfekte Ausgangsort für jeden Outdoorbegeisterten ist. Noch dazu eine Vielzahl von heißen, heilenden Quellen. Was will man mehr? Das einzige, was fehlt, ist wohl ein Investor, welcher an der Wiederherstellung der einstmals wunderschönen Gebäude interessiert ist.



Unterwegs bei Nacht

Unterwegs bei Nacht


Wir lernen Vali kennen.

Wir lernen Vali kennen.




Zum Frühstücken sind wir in das Vorzelt von Dan und Mike eingeladen

Zum Frühstücken sind wir, wie die folgenden Tage, in das Vorzelt von Dan und Mike eingeladen

Ostersamstag

Um neun Uhr sind wir bei Dan und Mike im Caravan zum Frühstück eingeladen. Die beiden sind äußerst herzlich und Dan ist ein wahrer Geschichtenerzähler. Wir werden schon fast skeptisch bei so viel Gastfreundschaft. Hier muss doch etwas faul sein? Aber das Einzige, was hier faul ist, ist wahrscheinlich tatsächlich nur der Geruch, der überall in der Luft hängt. Kurz darauf steht schon der silberne Geländewagen vor dem Zelt. Valentin hat ein Tag-füllendes Programm für uns zusammen gestellt. Eine Tour mit dem Defender entlang des Cerna Flusses, welcher durch Herculane fließt und in Orsova in die Donau mündet, Besichtigung einer Klamm und des Stausees und anschließend ein heißes Schwefelbad in Herculane. Klingt gut! Das Programm hat auch Dan, Mike und seine zwei Freunde hellhörig gemacht. Spontan entschliessen sie sich, uns mit ihrem Fahrzeug zu begleiten. Wir machen uns auf den Weg in Richtung der Quelle des Flusses. Der Defender zeigt was er kann, denn die Strasse entwickelt sich zum Feldweg mit allerlei Geröllbrocken und Schlaglöchern (oder gibt es das Wort Schlaggraben?). Der Dacia kommt kaum hinterher und wir beschließen schließlich, alle im Defender Platz zu nehmen. So muss für den Rest der Fahrt Timms Schoß herhalten. Ich stelle fest, dass es nur halb so schön ist, mit dem Auto durch die atemberaubende Schlucht zu fahren, wie mit dem Fahrrad. Die Geschwindigkeit ist einfach zu schnell und man hat nicht die Zeit an einem schönen Platz für einen Moment inne zu halten. Dennoch ist es bei strömendem Regen natürlich äußerst angenehm, nicht über Stunden draußen sein zu müssen. Der Boden ist inzwischen so aufgeweicht, dass ein Vorankommen mit dem Fahrrad eine wirkliche Strapaze geworden wäre. Valentin unterhält uns auf der Fahrt immer wieder mit dem ein oder anderen Witz und zeigt, dass die Rumänen es durchaus verstehen, sich selbst gerne mal auf die Schippe zu nehmen:


Rumänischer Witz: “Gott? Warum hast du Ägypten nur Sand gegeben? Grönland nur Eis? Doch Rumänien hast du die Berge gegeben, das Meer, die Donau, Gold und Mineralschätze. Warum?” Darauf antwortet Gott: “Ja, das stimmt! Aber warte bis du siehst, welches Volk ich dem Land dafür gegeben habe!”






Vali unterhält uns mit Geschichten und Witzen rund um Rumänien

Vali unterhält uns mit Geschichten und Witzen rund um Rumänien


Entdeckungen entlang der Strasse in Richtung der Cerna Quelle

Entdeckungen entlang der Strasse in Richtung der Cerna Quelle


Das Wetter spielt heute nicht mit. Die Landschaft ist trotzdem beeindruckend.

Das Wetter spielt heute nicht mit. Die Landschaft ist trotzdem beeindruckend.














Auf der Staumauer des Cerna Stausee

Auf der Staumauer des Cerna Stausee


Drei Männer sterben wegen ihrer Liebe zu Autos. Der Italiener, der Deutsche und der Rumäne stehen nun vor Petrus an der Himmelspforte. Petrus sagt: "Bevor euch der Eintritt gewährt wird, müsst ihr mir den Grund eures Todes nennen." Der Italiener: "Ich habe mir einen Lamborghini gekauft und bin mit 340 km/h aus der Kurve geflogen." Petrus: "Ok, komm rein." Der Deutsche: "Auf der Autobahn ist ein Geisterfahrer mit meinem Porsche zusammen gestoßen!" Auch er tritt herein. Dann kommt der Rumäne. Petrus: "Was ist dir passiert?" Rumäne: "Ich habe mir den neuen Q7 gekauft und bin danach verhungert."

Drei Männer sterben wegen ihrer Liebe zu Autos. Der Italiener, der Deutsche und der Rumäne stehen nun vor Petrus an der Himmelspforte. Petrus sagt: "Bevor euch der Eintritt gewährt wird, müsst ihr mir den Grund eures Todes nennen." Der Italiener: "Ich habe mir einen Lamborghini gekauft und bin mit 340 km/h aus der Kurve geflogen." Petrus: "Ok, komm rein." Der Deutsche: "Auf der Autobahn ist ein Geisterfahrer mit meinem Porsche zusammen gestoßen!" Auch er tritt herein. Dann kommt der Rumäne. Petrus: "Was ist dir passiert?" Rumäne: "Ich habe mir den neuen Q7 gekauft und bin danach verhungert."


67°C schwefelhaltiges Wasser. Damit man darin Baden kann, wird kaltes klares Quellwasser untergemischt. Anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig, am Ende aber ziemlich entspannend. Abduschen darf man sich dannach allerdings nicht, und so muss das nach faulen Eiern riechende Wasser am Körper trocknen, damit es seine volle Wirkung entfallten kann.

67°C schwefelhaltiges Wasser. Damit man darin Baden kann, wird kaltes klares Quellwasser untergemischt. Anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig, am Ende aber ziemlich entspannend. Abduschen darf man sich dannach allerdings nicht, und so muss das nach faulen Eiern riechende Wasser am Körper trocknen, damit es seine volle Wirkung entfallten kann.

Die Osternacht

Den Abend verbringen wir wieder in der Bar. Beinahe vertraut kommt es uns vor, als wir in die uns bereits bekannten Gesichter von gestern schauen. Um kurz nach zwölf ist von draußen ein orientalisch anmutender Gesang zu hören. Wir gehen hinaus auf den Platz und sind umringt von einem Meer aus Lichtern. Es ist die Orthodoxe Osternacht! Ein schönes Erlebniss und ich bin überrascht, wie viele Menschen dem Brauch folgen und dass das kleine Städtchen doch eine Menge Einwohner zu haben scheint. Erst um drei Uhr fallen wir in unsere “Betten”. Es schläft sich extrem entspannt, wenn man weiß, dass man zum Schutz einen Fuchs und einen Bären als Nachbarn hat! Die Erklärung hier zu, folgt allerdings erst im nächsten Bericht!







Wandern am Ostersonntag

Die Nacht war kurz. So brechen wir am Ostersonntag erst gegen ein Uhr in Richtung des auf 1100 Meter hoch gelegenen Gipfels auf. Es ist herrlich mit Nicole und Hardy unterwegs zu sein. Wir stellen fest, dass wir viele gemeinsame Interessen haben und marschieren mal quatschend mal still schweigend immer höher den Berg hinauf. Es kommt uns vor, als würden wir uns schon eine ganze Ewigkeit kennen. Unterhalb liegt die Stadt Herculane, die mit jedem Schritt kleiner wird. Als wir den Gipfel erreichen sind wir umhüllt von einer grauen nebligen Wolkenmasse. Dennoch fühlt es sich toll an, hier oben zu stehen. Nach einem kalorienreichen Picknick brechen wir querfeldein auf der weniger steilen Rückseite des Berges in Richtung “Heimat” auf. Hardy, der schon als kleines Kind mit seinem Vater viel in den Wäldern und Bergen Rumäniens unterwegs war, kennt sich perfekt aus. Im Städtchen Herculane scheint Hardy’s Vater so etwas wie eine lebende Legende zu sein. Mein linkes Knie fängt schon nach wenigen Metern des Abstiegs an höllisch zu Schmerzen und ich frage mich warum drei Orthopäden keine Problematik festgestellt haben. Das kann doch nicht von Nichts kommen. Doch Maulen hilft nicht, denn wir müssen vor der Dunkelheit wieder unten sein. Hardy wird etwas nervös, da wir keine Taschenlampen dabei haben, und er wahrscheinlich aus vielen Rettungsaktionen weiss, wie gefährlich die Dunkelheit in den Bergen sein kann.



Wir "starten" unsere Wanderung am weißen Kreuz hoch über Herculane (Bis hierher sind wir schon etwa 1 Stunde unterwegs). Die Legende besagt, dass sich an dieser Stelle ein Mann mitsamt seines Pferdes in den Tod stürzte, da er unglücklich verliebt war

Wir "starten" unsere Wanderung am weißen Kreuz hoch über Herculane (Bis hierher sind wir schon etwa 1 Stunde unterwegs). Die Legende besagt, dass sich an dieser Stelle ein Mann mitsamt seines Pferdes in den Tod stürzte, da er unglücklich verliebt war


Es geht höher und höher...

Es geht höher und höher...


Auch heute spielt das Wetter nicht mit...

Auch heute spielt das Wetter nicht mit...


Kurze Verschnaufpause

Kurze Verschnaufpause


Eine kleine Tropsteinhöhle auf halber Höhe.

Eine kleine Tropfsteinhöhle auf halber Höhe.


Je näher wir dem Gipfel des Domogled kommen, desto felsiger wird die Landschaft

Je näher wir dem Gipfel des Domogled kommen, desto felsiger wird die Landschaft








Geschafft! 1100 Meter.

Geschafft! 1100 Meter.


Die Aussicht vom Gipfel ist sagenhaft! Angeblich sieht man sogar die Donau.

Die Aussicht vom Gipfel ist sagenhaft! Angeblich sieht man sogar die Donau.


Nach fast vier Stunden Aufstieg folgt nun der Abstieg...

Nach fast vier Stunden Aufstieg folgt nun der Abstieg...





Ob Hardy wirklich weiß, wo es langgeht? Einen Weg gibt es hier nicht mehr...

Ob Hardy wirklich weiß, wo es langgeht? Einen Weg gibt es hier nicht mehr...


"Guck mal ne Schnecke!"

"Guck mal ne Schnecke!"





Nach achtstündigem Marsch und rechtzeitig mit dem Sonnenuntergang, erreichen wir das weiße Kreuz

Nach achtstündigem Marsch und rechtzeitig mit dem Sonnenuntergang, erreichen wir das weiße Kreuz

Als wir am Abend erschöpft und müde bei Pizza im Restaurant sitzen, sind wir alle sehr still. Es ist jetzt beinahe zwölf Uhr und nach dem achtstündigen Marsch hat keiner von uns noch die Energie für eine angeregte Unterhaltung. Und ich weiß nicht, wie es den Anderen geht aber ich bin auch ein wenig traurig, das dies der letzte Abend ist und wir in der kurzen Zeit zu Freunden geworden sind und es schwer fällt, jetzt schon wieder Abschied zu nehmen. Gerne hätten wir hier noch mehr Zeit verbracht, aber wir sind uns sicher, dass es nicht das letzte Mal ist, dass wir Herculane besucht haben.

Hardy, Nicole, Vali and all the others from Herculane: Thank you for that great time!!!


Bei Hardy zu Hause. Ein wahrer Bergsteiger...

Bei Hardy zu Hause. Ein wahrer Bergsteiger...


Lorena freut sich über die schöne Aussicht, dir wir einen Tag später auf dem Gipfel gehabt hätten.

Lorena freut sich über die schöne Aussicht, dir wir einen Tag später auf dem Gipfel gehabt hätten.

KAPITEL 16: Ankunft in Rumänien
RUMÄNIEN



Next Level

Ähnlich wie in einem Computerspiel, wenn man in ein neues Level übergeht, kommen wir uns vor, als wir die serbisch-rumänische Grenze überschreiten. Vor uns liegt Natur, wie sie schöner kaum sein kann. Endlich. Wir fahren über eine einsame Landstrasse, welche sich entlang eines Flusses, durch die ersten Ausläufer der Karpaten schlängelt. Auf den Gipfeln in der Ferne ist noch vereinzelt Schnee zu erkennen. Wir genießen die Ruhe und die Natur und fragen uns, welche Tiere wohl in den Hängen um uns herum leben. Adler kreisen über den Wiesen im Tal. Der Fluss ist durch den Regen der letzten Tage über die Ufer getreten und drückt sich vorbei an einer alten verlassenen Mühle. Leider sind die Menschen hier nicht so offenherzig wie in Serbien. Selten wird unser Gruß erwidert und wir zweifeln langsam daran, ob unser Wörterbuch eventuell etwas veraltet ist und man inzwischen vielleicht ein anderes Grußwort benutzt. Die Strasse, die wir gewählt haben scheint nun auch nicht unbedingt die touristischste zu sein. Die Dörfer wirken eher abgeschnitten von der Aussenwelt. Wir wittern unsere Gelegenhit in Kontakt mit den Leuten zu kommen, als wir ein liegen gebliebenes Auto mit zwei Schäfern entdecken. Sehr schüchtern und zurückhaltend schieben sie mit uns das Auto an, fahren dann aber dankbar, hupend und knatternd davon.

















Zurückhaltung und Distanziertheit

Wir bekommen die Erlaubnis auf der Obstwiese einer jungen Familie zu Übernachten. Der Mann schneidet dort die Äste der Bäume, zieht sich jedoch schnell mit seiner Frau und dem Sohn zurück, als wir beginnen unser Zelt aufzubauen. Erst am nächsten Morgen schauen sie noch einmal vorbei und der Hund ist der erste der neugierig Kontakt mit uns aufnimmt. Wir versuchen uns mit Zeichensprache und den paar notierten Vokabeln Rumänisch mit den Leuten zu unterhalten. Die Großmutter ist erstaunt, dass wir absolut kein Rumänisch sprechen. Und lachend stellt sie fest, dass unser Vokabular dem des zehn Monate alten Davids entspricht. Der Kleine grinst uns aus den Armen seiner Oma entgegen und sagt so was wie: “Dadada” (auf rumänisch: jajaja). Die kleine Weltkarte ist eine gute Basis zur Verständigung und anhand dieser können wir ihnen dann doch erklären, was wir mit den Fahrrädern und dem ganzen Gepäck vor haben.


Die rumänische Familie

Die rumänische Familie

Das Eiserne Tor

Wir nähern uns dem Eisernen Tor, einer der imposantesten Taldurchbrüche Europas. Zwischen Moldava Veche und Dobreta-Turnu Severin zwängt sich die Donau auf rund 110 Flusskilometern durch dieses Nadelöhr. Bis zu 1.200 Meter hohe Felswände schießen rechts und links empor. Einst wegen ihrer tückischen Katarakte gefürchtet, wurde die wilde Schlucht 1972 zum “Balkanfjord” aufgestaut. Die Felsformationen, durch die sich die Donau – mal größer mal kleiner werdend – drückt, sind wirklich beeindruckend und ich würde behaupten, dass dies der schönste Abschnitt des Flusses ist. Nach beinahe jeder Kurve halten wir an, um zu staunen und zu fotografieren. Eine Quelle, deren kühles Wasser den Fels herunter plätschert nutzen wir um unsere Haare zu waschen. Ein junger Rumäne kommt mit uns ins Gespräch und ist sichtlich beeindruckt von unserem Vorhaben. Nachdem er uns freundlich all unsere bis hier gesammelten Fragen rund um Rumänien beantwortet hat, bittet er uns noch um ein Foto zur Erinnerung und wir fühlen uns beinahe prominent.


Toate cele bune!

Toate cele bune!

 

Wofür braucht man Stative?

Wofür braucht man Stative?







Eine verlassene Fabrik. Selbst diese wirkt malerisch vor der traumhaften Kulisse des Eisernen Tores.

Eine verlassene Fabrik. Selbst diese wirkt malerisch vor der traumhaften Kulisse des Eisernen Tores.


 

Unser erstes Lagerfeuer. Bei gegrillten Würstchen genießen wir die Aussicht auf die Berglandschaft

Unser erstes Lagerfeuer. Bei gegrillten Würstchen genießen wir die Aussicht auf die Berglandschaft


 



Die Statue des Dakerkönigs Decebalus. Die Idee stammt von dem rumänischen Geschäftsmann und Historiker Iosif Constantin Dragan. Mit dem Projekt waren insgesamt zwölf Bildhauer beschäftigt, die Fertigstellung dauerte zehn Jahre (2004) und am Ende kostete es über eine Mill. US-Dollar.

Die Statue des Dakerkönigs Decebalus. Die Idee stammt von dem rumänischen Geschäftsmann und Historiker Iosif Constantin Dragan. Mit dem Projekt waren insgesamt zwölf Bildhauer beschäftigt, die Fertigstellung dauerte zehn Jahre (2004) und am Ende kostete es über eine Mill. US-Dollar.

Decebalus Kopf

Wir befinden uns im Land der Bären und mein Kopf dreht sich von links nach rechts auf der Suche nach wilden Tieren. Dafür nehme ich in Kauf, das ein oder andere Schlagloch zu übersehen. Allein die Vorstellung hinter der nächsten Kurve einen Wolf oder einen Bären entdecken zu können, macht das Fahren hier abenteuerlich und spannend. Vor der 40 Meter hohen Statue des Dakerkönigs Decebalus, machen wir ein paar Fotos, als hinter uns etwas Großes von der Böschung ins Wasser fällt. Es scheint eine riesige Schlange zu sein, die einen Hasen, ein Rehkitz oder etwas Ähnliches mitgerissen hat. Der Kampf dauert nicht lange. Die Schlange peitscht ein paar mal kräftig im Wasser hin und her bis das Opfer reglos auf der Oberfläche schwimmt.

Da sich der Tag bereits dem Abend nähert, folgen wir anstatt der Donau einer Beschilderung zu einem See in einer Bucht, an dessem grünen Ufer sich nahe der angrenzenden Schlucht einige Häuser befinden. Vor einem der kleinen Häuser steht ein Auto. “Buna ziua?” Nur der weiße, zottelige Hund, welcher vor dem Tor liegt, dreht seinen Kopf zu uns um. Timm probiert es noch ein mal “Buna ziua? Salut?” Hinter dem Vorhang ist doch Jemand! Die Tür geht auf und ein junges blondes Mädchen schaut heraus. “Come in, come in!” Wir betreten das kleine Haus und sind überrascht, dass uns dort wider Erwarten keine Familie begrüßt, sondern einige Teenager auf Sofas vor dem Fernseher liegen (Programm: Takeshis Castle). Zwei von ihnen befinden sich anscheinend mitten in der Tiefschlafphase. Sie fragen uns, ob wir Etwas trinken möchten. “Wodka? Apple Juice?” Wir entscheiden uns für den Apfelsaft und verstehen zugleich die Situation. Dies scheint wohl eine Art Ferienhaus zu sein, welches die jungen Leute zum Feiern über die Ostertage nutzen. Es herrscht eine lockere Stimmung und sie wird noch lockerer als wir ein Glas Palinka probieren – Es ist ein sehr hochprozentiger, für Rumänien typischer Schnaps, welcher aus Pflaumen hergestellt wird und nach dem man sich fühlt, als könne man Feuer speihen. Zumindest fühle ich mich so. Aber vielleicht trifft hier auch das Motto zu: Ist er zu stark, bist du zu schwach!?
Die Einladung in dem Haus zu Übernachten lehnen wir dankbar ab, da wir uns vorstellen können, dass die Nacht dann wahrscheinlich sehr kurz werden würde und wir den Schlaf dringend brauchen. Wir bevorzugen daher den angrenzenden, zu dieser Zeit verlassenen Campingplatz und verabreden uns für den Abend zum Essen. Da wir nicht mit leeren Händen erscheinen wollen, kochen wir Spaghetti mit Tomatensoße und Speck. Die Nudeln scheinen allerdings nicht die besten zu sein und so entsteht eine matschige Pampe, die nicht wirklich appetitanregend ausschaut. Das Essen hingegen, das uns Simona, Edi, Albert, Diana und Doris auftischen, ist ein wahres Festmahl. Der Duft von Gegrilltem liegt in der Luft, dazu gibt es Brot, Käse, Salat, Zaziki und einige Gläser Wodka.




Noroc!

Noroc!


La revedere! - Auf Wiedersehen!

La revedere! - Auf Wiedersehen!


Verewigung auf unserem WE ARE T-Shirt

Verewigung auf unserem WE ARE T-Shirt


Unser Zeltplatz. Wofür so ein Fußballtor doch gut ist!

Unser Zeltplatz. Wofür so ein Fußballtor doch gut ist!


Ein bisschen den vermissten Pferdegeruch schnuppern...

Ein bisschen den vermissten Pferdegeruch schnuppern...